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Erika
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Beitrag von Erika » 13.10.2005, 21:47

Der Storch - ein Segelflieger

Immer wieder wird die Frage gestellt, warum fliegt ein Storchenpaar nicht gemeinsam ins Überwinterungsgebiet?
Viele Menschen bewundern die Kraniche, auch die Gänse, wenn sie im "Formationsflug" am Himmel zu sehen, in ihre Überwinterungsgebiete ziehen. Die ganze Familie ist gemeinsam auf Tour, an der Spitze wird immer wieder gewechselt. Dem aufmerksamen Beobachter entgeht nicht, dass jeder Vogel seine Flügelschläge so ausführt, dass das schöne "Dreieck" im Prinzip erhalten bleibt. Die Vögel machen fortwährend Flügelschläge, den sog. "Ruderflug". Um den leisten zu können, braucht man ziemlich viel an Masse, die hat der Storch nicht - er kann nicht mit ständigem Flügelschlag seine weite Reise absolvieren. Unser "Leichtgewicht" mit 3,5 - 4,5 kg würde nie nach Südafrika - wie z.B. Prinzesschen - kommen. Die Natur aber hat unserem Storch mit einer Fähigkeit ausgestattet, nämlich die Thermik zu nutzen! Die Segelflieger haben es dem Storch abgeschaut (nicht etwa umgekehrt!): Die aufsteigende Luft nutzen, um immer höher in den Himmel zu steigen. Kreisend schraubt sich Adebar immer höher, um dann im Sinkflug in die gewählte Richtung zu gleiten. So spart er Kraft und gelangt in einer Art "Wellenflug" sicher ins ca 10000 km entfernte Überwinterungsgebiet. Thermik gibt es bis etwa 4000 m Höhe, soviel nutzt der Storch nicht - aber wenn er den Sinai überfliegt bekommt er schon mal einen "Schubs" nach oben von 2000 m!

Wenn also ein Storchenpaar seine Jungen großgezogen hat, probieren die das Steigen mit Hilfe der Thermik und irgendwann, wenn sie das richtige Gefühl dafür haben, verlassen sie den heimischen Horst und treten die Reise allein an. Es kann nicht gelingen zusammenzubleiben: Würde Vater Storch das Kommando geben: Nun alle los! so würde jeder eine andere Höhe gewinnen und durch das Kreisen verliert man sich aus den Augen. Da fliegt doch jeder gleich allein weg, wenn ihm dann danach ist! Die Jungen fliegen in der Regel zwischen dem 8.-18. August fort, die Alten folgen ab 25. August, aber Anfang September sind dann alle weg - die Horste leer!

Wie sie die richtige Richtung finden, ist für Viele ebenfalls ein Rätsel - das folgt im nächsten Bericht
Zuletzt geändert von Erika am 16.10.2005, 22:33, insgesamt 1-mal geändert.
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Wie findet der Storch seinen Weg in das Winterquartier

Beitrag von Erika » 16.10.2005, 22:32

Wie findet der Storch seinen Weg in das Winterquartier

Wir Menschen sind mit unseren Sinnen nicht in der Lage, die Gesamtheit unserer Umwelt wahrzunehmen. Vom Ultra- Schall bis Infra-Schall und von der Ultraviolett-Strahlung bis zur Infrarotstrahlung steht uns nur ein begrenzter Bereich zum Erkennen zur Verfügung. Das gilt für alle Lebewesen, aber die Natur hat alle mit einer Erkenntnis dessen ausgestattet, was es braucht - für die wichtigen Dinge in seinem Leben: Nahrungserwerb, Gefahrenerkennung (Feinde), Fortpflanzung und Partner suchen und finden.

Tiere haben andere Sinnesleistungen als der Mensch, und was wir nicht erkennen, das gibt uns Rätsel auf: z. B. das Verhalten der Zugvögel:

Wie finden sie ihren Weg und woher wissen sie, wann es Zeit ist das Brutgebiet zu verlassen?

Nehmen wir mal unseren Storch:
Zielsicher geht er auf Südkurs. Wenn morgens die Sonne die Erde erwärmt hat, startet er mit der aufsteigenden Warmluft. Besonders günstig entwickelt sich die Thermik in unterschiedlichen Landschaftsstrukturen oder in Flusstälern, wo sich Wasser und Land nicht gleich schnell erwärmen, dort steigt die Luft besonders intensiv auf. Das spürt der Storch und nutzt diesen "Korridor". Der gerade Südkurs würde über das Mittelmeer führen, aber über einer ebenen Wasserfläche bildet sich kaum Thermik. Aus Erfahrung bleibt der Storch also über Land und bekommt so einen "Knick" in den Zugweg, wenn er in Richtung Balkan und Türkei fliegt. Über dem Sinai schwenkt er dann ins Niltal - wieder auf Südkurs. Wenn wir Menschen die Himmelsrichtung bestimmen, hilft uns der Kompass. Die Magnetnadel zeigt auf der Nordhalbkugel nach Norden (zum Magnetpol). Gerichtet wird sie durch das Erdmagnetfeld, das wir weder sehen noch spüren können. Der Storch hat aber viel feinere Sinne dafür - einen "Kompass" im Kopf! Winzige Magnetpartikel sollen das sein. Viele Rätsel gibt es hier noch zu lösen, Aufgabe für kommende Generationen! Alle unsere Zugvögel haben diese Eigenschaft, zielsicher ihrem Zugtrieb folgend die Winterquartiere zu erreichen, - auch die Kleinvögel.

Ein Beispiel soll das mal verdeutlichen: Mit sog. Japannetzen fangen Ornithologen Kleinvögel, um sie zu beringen. Größere Gruppen fängt man naturgemäß zur Zugzeit. Da ließ man dann einmal ein Vögelchen nicht gleich frei, sondern setzte es unter eine Pappglocke. Den Vogel hatte man vom Zug abgehalten, er wollte also heraus! Wie sah sein Befreiungsversuch nun aus? Als die Glocke abgehoben wurde zeigten sich Kratzspuren: Fast ausschließlich in der Südrichtung! Woraus man schließen kann, daß der Vogel nichts anderes als seinen Zug im Sinne hatte!

Im nächsten Eintrag werden 2 weitere "Geheimnisse" gelüftet: Woher wissen die Vögel wann sie sich auf die Reise begeben müssen - und warum fliegen sie überhaupt fort?
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Zwei oft gestellte Fragen sollen nun wieder beantwortet werd

Beitrag von Erika » 19.10.2005, 15:05

Woher "weiß" der Storch wann er starten muss, um sein Winterquartier sicher zu erreichen?
Ein Storchenpaar, das seine Jungen großgezogen und deren Selbstständigkeit bestimmt mit Genugtuung beobachtet hat, erwartet natürlich, dass der Nachwuchs den elterlichen Horst verlässt. Eines Tages, etwa zwischen dem 8. und 18. August, kommen dann die Jungen nicht mehr "zum Schlafen" nach Hause, sie haben sich auf die Reise begeben. Auch die Jungen des Jahres wissen, wann es Zeit ist und das ist wohl eine von den Eltern vererbte Angelegenheit. Die Altstörche, gestresst von der Jungenaufzucht, bleiben noch 1 bis 2 Wochen länger am Horst. Sie haben nun Zeit, sich selbst noch etwas für eine gute Kondition anzufressen. Dann aber wirkt der angeborene Zugtrieb - und noch etwas sagt ihnen, dass sie ziehen müssen, obwohl die Nahrungsgrundlage hierzulande noch gut ist: Die Störche spüren, dass die Tage kürzer werden, aber nur am Tage entwickelt sich ja die Thermik, die unser Storch nutzen muss!! Die Sonne erscheint immer später am Horizont und verschwindet immer früher dahinter. Adebar hat bis nach Afrika noch einen weiten Weg vor sich, und er tut gut daran, die Reise rechtzeitig anzutreten. Ist er dann z.B. in Äquatornähe, hat er 12 Stunden zur Nahrungssuche zur Verfügung und 12 Stunden ruht er, da dort Tag und Nacht gleich sind.


Warum fliegt er überhaupt fort?
"Weil es hier kalt wird" antworten die meisten, da haben sie wohl das Gefühl, dass der Storch keine Kälte verträgt. Das wäre aber kein Grund, schließlich bleiben ja auch Vögel hier und kommen mit Frost und Schnee zurecht. Der Winter ist wohl auch zur Auslese da, denn in der Tat fordert die Witterung viele Opfer, vor allem, weil auch die Tage kurz sind - die Tiere sterben dann an Unterkühlung: Wenn sie kein Futter finden, können sie die Körperwärme nicht reproduzieren und besonders Kleinvögel haben nicht viel Zeit: Nach einer eisigen Nacht manchmal nur einige Stunden.
Der Storch hätte im Winter kaum eine Chance, denn seine Beutetiere sind nicht mehr zur Verfügung: Die Frösche und die Insekten halten Winterruhe, Gewässer frieren zu, kein Fisch ist erlangbar, die Regenwürmer bei gefrorenem Boden auch nicht, und die Mäuse schaffen sich nicht soviel Kinder an, dass der Storch auch noch satt werden könnte.
Unser Storch zieht also fort, und die Natur hat ihn dazu mit dem Zugtrieb und allem was er "wissen" muss ausgestattet. Dahinter verbirgt sich eine große Leistung, die wir würdigen sollten mit: Hut ab, und nicht Nahrungsgrundlagen unter den Füssen weg!!!
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Beitrag von ute » 19.10.2005, 16:14

Danke Erika für die Beiträge auf dieser Seite. So ist vieles leichter verständlich als in wissenschaftlichen Büchern! Und allemal interessanter geschrieben!

Viele Grüße
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Wissenswertes vom Storch Teil 3

Beitrag von Erika » 23.10.2005, 17:41

Im letzten Eintrag war die Fragestellung:
Warum fliegen die Störche überhaupt fort?

Es wird aber auch oft gefragt:
Warum machen sie die gefährlichen und entbehrungsreichen Züge und brüten nicht in Afrika?

Betrachtet man die Landkarte, so ist Afrika riesig im Verhältnis zu Europa, wo das Brutgebiet der Störche liegt. Aber in diesem großen Kontinent gibt es nicht viele Gebiete, wo eine sichere Jungenaufzucht möglich ist. In Afrika haben sich immer mehr Gebiete in Wüsten verwandelt und diese Entwicklung dauert noch an. Nordafrika war einmal - zur "Römerzeit" deren Kornkammer - das ist lange her! Ein Storchenpaar müsste weit fliegen, um die erforderliche Nahrung zu beschaffen - und manchmal sogar der Nahrung hinterher!

In Südafrika heißt der Storch: Großer Heuschreckenvogel, diese Insekten sind seine Hauptnahrungsquelle. Man hat einmal im Magen eines verendeten Storches die Reste von 1046 Heuschrecken gefunden! Diese Nahrung ist zwar sehr eiweißreich aber dann auch zu einseitig für heranwachsende Junge. Außerdem müssten die Altstörche eine zu große Flugleistung erbringen: Sie bekommen ihre Brut nur groß, wenn die Nahrung in ca. 5km rund um den Horst gefunden wird, und diese Bedingungen gibt es in Europa von März bis September!

Es gehört zur Überlebensstrategie des Storches, diese optimalen Bedingungen in Europa zu nutzen. Aber dann hält ihn hier nichts mehr. Die Entwicklung zum Zugvogel wird mit dem Ende der Eiszeit vor etwa 10000 Jahren begonnen haben. zu dieser Zeit hat auch die Wanderung des Menschen nach Norden begonnen: Es ist heute wohl unumstritten, dass unsere "Wiege" in Südafrika stand. Mit der Klima-Erwärmung wurde der Mensch in Europa sesshaft. Wir müssen nicht fort, wenn der Winter kommt: Es gibt genug zu Essen, und das wir nicht an Unterkühlung sterben, dafür sorgen wir ja bestens! Der Storch müsste eine "Denkleistung" vollbringen für eine entsprechende Strategie, aber das können Tiere nicht! Sie können sich "nur" anpassen und das ist bewundernswert genug! Wir sollten es ihnen nicht noch schwerer machen als das so schon ist, denn auch sich anzupassen dauert oft länger, als wir ihnen Zeit dafür lassen - dann muss es uns nicht wundern, dass Arten – ja, einfach aussterben!

Im den nächsten Einträgen soll das faszinierende Leben der Familie Storch nahe gebracht werden.
Zuletzt geändert von Erika am 04.11.2005, 15:04, insgesamt 1-mal geändert.
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Wissenswertes vom Storch (4)

Beitrag von Erika » 28.10.2005, 19:39

Nun wird berichtet von Familie Storch, dabei zunächst über das Ehepaar Storch und ihr Zuhause den Horst:

Der Ausdruck "Nest" ist für das Domizil des Storches nicht falsch, allerdings ist ab einer bestimmten Größe das Nest ein Horst, etwa ab der Größe von Krähennestern spricht man von Horsten. Kein Vogel in Europa baut sich ein größeres Zuhause als der Storch! In jedem Jahr wird "aufgestockt", denn wenn Herr Storch (meistens) zuerst den Horst aus dem Winterquartier kommend anfliegt, findet er alles plattgetreten vor.

Die Jungen des vergangenen Jahres haben ihn zum "Flugplatz" gemacht: Als sie fliegen konnten, war kein schützender Rand mehr nötig - im Gegenteil: Indem alles heruntergetreten wurde, gab es mehr Platz, denn der Nachwuchs war nun so groß wie die Altvögel, es war eng geworden da oben! Herr Storch weiß aber, daß die neue Brut einen schützenden Rand braucht und fängt schon mal an, etwa 10 cm darauf zu bauen. Außerdem muss er das Umfeld des Horstes unter die Lupe nehmen: In 3-5 km rund um die Behausung muß Futter vorhanden sein, weiter kann er nicht fliegen, nur dann bekommt er die Jungen groß.

Hat er das "abgeklärt", sollte Frau Störchin ankommen - sonst wird er unruhig! Adebars machen nur eine Brut im Jahr und ist "sie" nicht innerhalb etwa 1 Woche auch am Horst eingetroffen, muss "er" annehmen, dass die Partnerin des Vorjahres nicht mehr kommt. Für uns ist die Treue eines Storchenpaares fast sprichwörtlich - deshalb sind wir einem Storch etwas böse, wenn er einen neuen Partner annimmt: Er oder sie geht dann fremd, wie wir das nennen! Aber überlegen wir doch einmal: Störche machen eine Reise ins Brutgebiet von mehreren tausend Kilometern, auf den Partner wartet jeder etwa eine Woche - dann läuft die Zeit davon - soll der Angekommene nun die ganze Brutsaison auf dem Horst herumstehen? Das leistet sich die Natur nicht, deshalb wird sich in diesem Fall nach einem neuen Brutpartner umgesehen, schließlich muss man für die Arterhaltung sorgen!

Störche sind zuerst ihrem Horst treu, beide Partner brüten sind oft jahrelang am selben Ort - wenn alle Bedingungen stimmen! Verwunderlich ist das wiederum nicht, denn ein Neuanfang ist sehr schwierig: Man muss einen Platz finden, wo das Nistmaterial auch dort bleibt, wo man geduldet und nicht vertrieben wird und dann dauert der Horstneubau schon seine Zeit. Wenn der Mensch dann mit einer Unterlage hilft, geht das erstaunlich schnell - Der Storch ist meistens dankbar für die Unterstützung, allerdings nur dort, wo er Ansiedlungswillen gezeigt hat. Dem Storch einen Horst bauen, wohin wir ihn locken möchten, funktioniert meistens nicht.

Ein Storchenpaar auf seinem Horst, brütend und dann auch mit Jungen, ist für viele Menschen immer noch der Inbegriff von heiler Welt - der nächste Beitrag "beobachtet" nun, was sich nach der Ankunft der beiden auf ihrem Horst tut!
Viele Grüße von
Erika

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Beitrag von Helle » 29.10.2005, 18:38

Suuuuper deine Ausführungen, liebe Erika. Bin schon auf die Fprtsetzungen gespannt.....
Viele Grüße

Helle

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Wissenswertes vom Storch Teil 5

Beitrag von Erika » 31.10.2005, 23:26

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Mit einmalig schöner Laubfärbung präsentiert sich die Natur, auch auf dem Storchenhof ist der Haupthorst umrahmt von dieser Pracht. Seit 1980 thront er auf dem Dach des Nebengebäudes und das geschätzte Gewicht dieses Bauwerkes ist wohl fast oder gar eine Tonne! Entsprechend hoch ist natürlich der Horst, aber bei der genauen Betrachtung tritt Erstaunliches ins Blickfeld: Gerät er in einer Richtung zu breit, gleicht der Storch das aus, indem er in der Gegenrichtung weiterbaut, er muss also wissen, dass er sein Gebäude immer im Schwerpunkt halten muss! Waagerecht muss die Oberfläche auch liegen - also: Nicht nur Kompass im Kopf, auch noch eine "Wasserwaage" darin? Bewundernswert unser Adebar, er baut immer so, dass weder Familie Storch, noch das Zuhause abstürzen kann! Haben im Herbst und Winter Stürme den Horst etwas zerzaust oder gar "verschoben", wird nach der Ankunft im Frühjahr die Sache gleich wieder in Ordnung gebracht!

Bild

Sind Herr und Frau Storch dann beide, aus dem Winterquartier getrennt kommend, im Horst gelandet, ist die Freude ganz offensichtlich groß: Das Begrüßungsgeklapper will kein Ende nehmen! Nach einem halben Jahr "Urlaub von der Ehe" sind sie nun glücklich beisammen, und wir freuen uns mit! Noch am Ankunftstag kann man Paarungen beobachten - schließlich soll das 1. Ei auch befruchtet sein! "Sitzprobe" ist ebenfalls ein Zeichen: Unser Pärchen weiß, was es zu tun hat, es macht sich an die Arbeit.

Einer muss nun ständig den Horst besetzt halten - es könnten ja andere Interessenten kommen! Bei der
Ablösung wird Nistmaterial "feierlich" übergeben und dann gemeinsam im Horst verbaut. Ja, Störche gehen recht liebevoll miteinander um..... und eines Tages liegt das 1. Ei im Horst! Nun wird es richtig spannend: Wie viele werden folgen?? 1bis 6 sind möglich: Aber, um ein Ei zu legen, macht man doch nicht so eine weite Reise! Aber 6 Junge groß zu kriegen ist fast unmöglich - Frau Störchin wird also die Entscheidung zwischen 1 und 5 treffen. 32 Tage sitzt man nun abwechselnd auf dem Gelege, noch eine ruhige Zeit, wo das nötige Eierwenden ein regelrechtes Ritual ist - aber dann wird es richtig Arbeit geben: Nämlich, wenn das 1. Storchenkind aus dem Ei geschlüpft ist! Die weiteren folgen in dem Abstand, wie die Eier gelegt wurden bis die Familie komplett ist, davon wird im nächsten Bericht die Rede sein: Familie Storch!
Zuletzt geändert von Erika am 04.11.2005, 15:01, insgesamt 1-mal geändert.
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Wissenswertes von Storch, Teil 6

Beitrag von Erika » 04.11.2005, 15:00

Familie Storch

Der letzte Eintrag endete damit, dass bei Herrn und Frau Storch die Eier im Horst liegen - 1 bis 6 möglich, aber 2 bis 5 üblich, wobei 5 Junge flügge zu bekommen, eine Leistung ist, wo auch das Klima mitspielen muss!

Frau Störchin legt das 1. Ei und sofort wird gebrütet: Warum macht es der Storch nicht wie die meisten Vögel und beginnt zu brüten, wenn das Gelege vollständig ist? Leider habe ich auf meine Frage in der Literatur keine Antwort gefunden. So habe ich mir selbst Gedanken gemacht und bin zu folgendem Schluss gekommen: Der Storch baut das größte Nest einer Vogelart in Europa und außerdem so, dass zwar nicht wir Einblick in sein Zuhause haben, wohl aber die gesamte Vogelwelt und vor allem Feinde die den Horst überfliegen. Der Storch muss also das 1. Ei schon bewachen, und am besten kann er das, wenn er darauf sitzt - oder?? Das kommt aber dem Brüten gleich - (hat jemand eine andere Erklärung?) Storchenjunge sind sog. "Nesthocker", 10 Wochen hocken sie im Horst mit nach vorn! geknickten Ständern (so heißen die Storchenbeine fachmännisch) und da sie im etwa gleichen Abstand schlüpfen wie die Eier gelegt wurden, sitzen unterschiedlich große Küken im Horst.

Die Natur weiß schon, was sie tut: Kommt der Storch mit Futter zum Horst, landet er auf dem Rand und die Jungen sitzen im Kreis, den Schnabel zur Mitte. Das Futter wird aus dem Schlund gewürgt - dazu muss er den Hals strecken und der Inhalt landet in der Mitte: Dort, wo die Schnäbel sind! Nun wird zugelangt, zwar auch gedrängelt, aber das geht im Kreis - normalerweise kann niemand herausfallen - aber wer bekommt den "Löwenanteil"? Natürlich das kräftigste Junge, also das älteste! Das wird allerdings auch nach dem größten Brocken schnappen und manchmal damit seine Mühe haben - so können die Geschwister inzwischen eine Menge wegfressen! Alles kein Problem, wenn genug Nahrung kommt, dann werden alle groß! Aber die heranzuschaffen ist eine enorm Kräftezehrende Angelegenheit für die Altstörche.

Bis die Jungen etwa 3/4 Wochen alt sind, müssen sie bewacht werden, die Alten wechseln sich ab und so alle 2 Stunden erscheint einer am Horst, um zu füttern. Der vorher Wachhabende macht sich meistens schnell davon, der Nachwuchs hatte ausgeschlafen und mit Klappern und "Mautzen" laut um Futter gebettelt, was ja nun erst der ablösende Partner bringt. Der Storch geht 6 bis 8 mal am Tag auf Futtersuche, morgens, wenn es hell wird das erste Mal und abends bevor es dunkel wird ein letztes Mal - er hat nun mal nicht so große Einkaufstaschen wie wir und auch kein Auto, um alles auf einmal wegzuschaffen - er hat nur seinen Schlund und in dem muss er für 4 Junge 2000g Nahrung täglich (jeder!) herbeischaffen! Was holt nun Adebar auf der Wiese schreitend oder am Teich? Alles, was vor seinem Schnabel sich bewegt: Frösche, Mäuse, Fische, das sind die größeren Beutetiere, aber auch viele Regenwürmer, Insekten, Larven, Käfer, Schnecken, Grashüpfer u. a. Futtersuchen ist eigentlich nicht der richtige Ausdruck, denn wenn er es erblickt hat, muss er es erst einmal gefangen haben! Die Nahrung ist sozusagen "unterwegs" und kennt auch die Fressfeinde! Mäuse werden vielleicht ihren Kindern beibringen, dass sie schnell im Loch verschwinden müssen, wenn sie den langen roten Schnabel sehen!? Nur dann hat der Storch das Nachsehen.....

Daraus kann man als Mensch wohl nur schließen, dass wir die Ausgewogenheit der Natur respektieren und bewundern sollten - z.B. keine Mäuse vergiften, von denen muss es eine Menge geben!!!

Weiter geht es mit Familie Storch beim nächsten Eintrag: Die Jungen werden flügge!
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Beitrag von ute » 04.11.2005, 17:19

Liebe Frau Herbst!
Danke für diese Beiträge! Es gibt noch so vieles, was ich über Störche nicht weiß. Ich freu mich jedesmal auf die Fortsetzung!

Viele Grüße

Ute
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