Storchenhof Loburg Forum

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BeitragVerfasst: 05.11.2005, 00:09 
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Liebe Erika,
wir bedanken uns recht herzlich für Deine lehrreichen und auch interessant geschriebenen Beiträge und wünschen uns noch ganz viele Fortsetzungen :) .

Ganz liebe Grüße aus Berlin
vom Elmontedream-Team Heidi und Bernd :-)


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 Betreff des Beitrags: Wissenswertes vom Storch Teil 7
BeitragVerfasst: 07.11.2005, 19:29 
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Die Storchenkinder:

Wenn sie aus dem Ei schlüpfen, wiegen sie zwischen 70 und 80 g.

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Sie sehen unscheinbar weiß-grau aus und behalten das Flaumgefieder etwa 10 Tage.

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Sie brauchen noch viel Wärme und die Alten sitzen meistens darauf. Die Schnäbel und auch die Storchenbeine sind schwarz - erst wenn sie flügge werden, färbt sich beides rot, wobei die "Zwischenstufe" Orange mit Schwarz-Anteil ist.

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Erst mit einem Jahr hat ein Storch den bekannten roten Schnabel und die schönen roten Beine! Im Horst liegt man eben nicht mit (roten) "Signalfarben", weithin sichtbar für die Feinde, erst wenn man fliegen und sich selbst verteidigen kann und muss, "färbt" man sich ins Erwachsenenalter! Nach 10 Wochen ist es so weit, eine enormes Wachstum - von 70/80 g auf das 50fache haben sie an Gewicht zugelegt!

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Mit 3500 bis 4000g sind sie nun gerüstet für die große Reise, die jeder junge Storch, jetzt etwa 1/4 Jahr alt, absolvieren wird!

Ehe der erste Abflug vom Horst erfolgt, muss allerdings "trainiert" werden!

Das Fliegen ist ihnen angeboren, aber wenn der Jungstorch den Abflug wagt, muss das auch glücklich unten enden! So kann man beobachten, dass die Jungen nun ausprobieren, was da gewachsen ist: 1.80 bis 2.00 m sind die Schwingen mit deren Hilfe man nun heruntersegeln soll - wenn alle gleichzeitig üben würden, wäre das eine Katastrophe, der Platz auf dem Horst ist kapp geworden, denn die Jungen sind nun so groß wie ihre Eltern!

Aber bei Storchens herrscht Disziplin: Einer steht auf (höchstens zwei), breitet die Flügel aus und "hopst" in senkrechter Richtung - da ist ja Platz!
Die Geschwister ducken sich bis der, der da soviel Wind macht, sich etwas erschöpft wieder setzt. Das geht 1 bis 2 Wochen so, die Eltern schauen von einiger Entfernung zu, und sehnen wohl den Zeitpunkt herbei, wo ihre Kinder alle den 1. Abflug geschafft haben! Irgendwann spürt der junge Storch, dass ihn die Luft trägt, der "Segelflieger" hat die Prüfung "verstanden" und nun gibt es kein Halten mehr: Es geht herunter und herauf, der schützende Rand ist bald platt getreten - er wird nicht mehr gebraucht und nimmt nur Platz weg!

Fliegen ist wohl auch für die Jungen schön - allerdings wissen sie in diesem Moment noch nicht, dass jetzt "der Ernst des Lebens" für sie beginnt: Selbst Futter suchen!!

Davon wird im nächsten Eintrag die Rede sein.

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Erika

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 Betreff des Beitrags: Wissenswertes vom Storch, Teil 8
BeitragVerfasst: 10.11.2005, 17:40 
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Die Jungstörche fliegen!

Ein Ereignis das uns und die Storcheneltern gleichermaßen freut! Herrlich ist das anzusehen, wenn zugleich alle Jungen aus den umliegenden Horsten in der Luft sind - das ist ein turbulentes Leben, ein ständiges Starten und Landen an den Horsten. Aber immer zittert man doch etwas mit - wird es auch klappen?? Manchmal sieht das etwas "abenteuerlich" aus, denn das "Fahrgestell" beim Landeanflug richtig "auszufahren" und die Landung perfekt hinzukriegen, erfordert wohl doch Übung! Na, wenn sie ca. 10 Tage oder auch mehr bis zur Abreise Zeit haben, schaffen sie das schon!

Aber noch etwas anderes ist sehr wichtig, und da müssen die Storchenkinder bei den Eltern sozusagen in die Schule gehen: Wie ernährt man sich nun selbst, fängt z.B. eine Maus?? Die Alten "führen" ihre Jungen, wie das in der Fachsprache heißt, d. h. sie haben sie auf den Nahrungsflächen hinter oder neben sich laufen und sie müssen dann den Eltern abschauen, wie die Beutetiere gefangen werden. Angeboren sind den Jungen die schnellen Reaktionen, wir stellen uns beim Mäusefangen dagegen sehr dumm an! Sie werden auch an die Gewässer geführt, da gibt es ja auch eine Menge zu erbeuten: Den Frosch, der dort auf Insekten lauert, muss man überlisten. Hat er etwas gemerkt und hopst mitten in den Teich, sollte man ihm nicht ins tiefe Wasser folgen, man ist schließlich kein Schwimmvogel! Der Storch "jagt" im flachen Uferbereich, wo er durchaus auch Fische erbeuten kann.

Haben sich die Kinder auch den ganzen Tag gemüht, satt sind sie in der ersten Zeit nicht so ganz geworden..... nach dem Schnabel des Altvogels zu schauen, ob er denn nun etwas von seiner Beute auswürgen würde, hat nichts genützt: Der ist wohl der Meinung: Hier unten gibt es nichts, hier wird geübt!! Eine strenge Erziehung, die aber sein muss, denn die Jungen sind auf dem Zug auf sich selbst gestellt.

Hungrig schlafen gehen müssen sie jedoch nicht: So am späten Nachmittag fliegen die Alten mal wieder den Horst an, und wenn die Jungen ihre Eltern dort sehen, sind sie auch bald oben - und siehe da, es gibt Futter!

Bild
Damit haben die Altstörche auch erreicht, dass die Jungen die Nacht auf dem sicheren Horst verbringen. Der Storch hat auch Feinde: Fuchs und Marder würden auf der Wiese schlafende Störche überraschen können, denn sie sind nachtaktiv! So bringen die Eltern ihren Kindern bei, was wahrscheinlich schon als Erbmasse da ist, aber doch besser noch "gezeigt" wird - damit es sitzt!! Mehr können sie für die Jungen nicht tun und übertreiben tut man auch nicht: Ich habe beobachten können, dass die Altvögel auch tagsüber mal den Horst anfliegen, aber sofort sind die Jungen da und betteln - was machen die Alten? Sie fliegen fort und lassen sich zum Ausruhen irgendwo entfernt nieder. Die Kinder betteln weiter - mich hätten sie ja weich gekriegt - ihre strengen Eltern aber nicht! Da gibt es nun kein "Mittagessen" mehr, nur zum "Abendbrot" gibt es noch etwas...... wenn man brav nach Hause kommt!

Konsequente Erziehung, aber die Natur macht eben alles richtig!

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 Betreff des Beitrags: Wissenswertes vom Storch Teil 9
BeitragVerfasst: 13.11.2005, 13:42 
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Familie Storch Teil 9

Es ist die letzte Beobachtung der "Familie Storch", denn der Verband löst sich auf, wenn die Zugzeit naht. Gut ist, wenn die Jungen früh geschlüpft sind, und sie dann nach dem Ausfliegen noch 2 maximal 3 Wochen den Schutz und die Fürsorge der Eltern genießen können. Aber eines Tages kommen sie nicht mehr zum Schlafen auf den Horst - nicht alle gleichzeitig sind verschwunden - doch auch das "Nesthäkchen" macht sich auf den Weg, und dann sind die Altstörche allein auf dem Horst.

Traurig?? Nun das wohl nicht, es muss so sein! Nun können sie ihren Horst wieder in Besitz nehmen, manchmal haben sie sich ja "nicht nach Hause" getraut, da dort immer der ewig hungrige Nachwuchs lauerte! Nun trifft man selbst "Reisevorbereitungen", hat alles erbeutete Futter für sich und ist damit gut für den strapaziösen Zug gerüstet. Die Altvögel wissen, was sie erwartet: Je öfter sie die Reise gemacht haben, je mehr Erfahrungen haben sie gesammelt und damit steigt die Chance gut durchzukommen. Die Senderstörche haben eigentlich erst gezeigt, dass es wenig Abweichungen im "Zugkorridor" gibt: Wo alles gut gegangen ist, da bleibt man bei der Route! Wir Menschen finden ja "langweilig", was z.B. Prinzesschen uns vorführt: Fast deckungsgleich ist ihr Zug, sie ist klug - wir wollen immer wieder eine andere Gegend kennen lernen, das wäre für sie sehr unklug gehandelt! Für unser Pärchen kommt aber auch der Zeitpunkt der Abreise, der Zugtrieb wirkt! Aber manchmal wundert man sich auch, denn wir beobachten Paarungen auf dem Horst - fängt etwa alles von vorn an?? Natürlich nicht! Aber das festigt wohl die Bindung der beiden. Lebenslang ein Ehepaar?

Zumindest haben sie vor, sich im nächsten Jahr wieder am Horst zu treffen: Jeder will den gleichen Horst und den gleichen Partner - da das der sicherste Weg zu einer neuen Brut ist! Was tut man also: "Sagt sich auf Wiedersehen" und macht bis dann Urlaub von der Ehe! Die Jungen sehen sie wohl nie wieder, es sei denn, sie wollen den Eltern den Horst streitig machen! Da sie aber ca. 3-4 Jahre brauchen, bis sie selbst brüten können, stromern sie als "Junggesellenbande" herum. Es ist aber wohl der "Wille" da, dass die Jungen dorthin zurückkehren, wo sie selbst aufgewachsen sind: Im Umkreis von 50 - 100 km werden sie sehr oft als Brutvögel angetroffen. Das gewährleistet wohl auch, dass eine "Storchengegend" so den Nachwuchs rekrutiert!

Die Geschichte dieser Familie Storch ist damit aber zu Ende. Es war hier alles gut gegangen, nur das ist nicht immer so:
Die nächsten Einträge werden von dem berichten, was der Familie alles "dazwischenkommen" kann, fast immer traurig, aber es gehört auch zum Storchenleben!

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 Betreff des Beitrags: Wissenswertes vom Storch Teil 10
BeitragVerfasst: 15.11.2005, 14:49 
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Beringt - der "Personalausweis" des Storches:
Es hat den Menschen schon immer beschäftigt: Wo ist unser geliebter Adebar im Winter? Ein dänischer Lehrer, der die Vögel in seiner Umgebung beobachtete, kam als erster auf die Idee, die Vögel zu beringen, in der Hoffnung, so wieder etwas über sie zu erfahren. Das war Im Jahre 1898. Bereits 1902 wurde der erste Storch beringt.
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Seitdem fliegen Tausende mit Ringen an den Ständern, wobei wohl die meisten Störche die Ringe an den Füssen tragen. Die Beringung oberhalb des "Knies" (Intertarsalgelenk) ist eher umstritten, der Ring kann klemmen oder, wenn sich Schmutz und Kot festsetzen, kommt es zu Entzündungen und Schlimmerem. Unten angebrachte Ringe reinigen sich eher von selbst, wenn der Storch z.B. durch nasses Gras oder seichtes Wasser schreitet. Zum Ablesen der eingravierten Daten ist der oben angebrachte Ring natürlich günstiger, da die Füße ja weniger sichtbar sind. Es sollte jedoch die Gesundheit des Storches an erster Stelle stehen.

Beringer werden geschult und die Ringe geben die Vogelwarten aus. In der Bundesrepublik Deutschland gibt es drei Zentralen für die wissenschaftliche Vogelberingung:

• Vogelwarte Helgoland
• Vogelwarte Hiddensee
• Vogelwarte Radolfzell

Für Sachsen- Anhalt ist "Hiddensee" zuständig. Der Name steht dann auch auf dem Ring.

Die Inschrift der Ringe besteht aus einer Schriftkombination aus ein bis zwei Buchstaben und bis zu sechs Zahlen sowie den Worten:
"Radolfzell Germania", "Helgoland Germania", "Hiddensee Germania"

Der erste Buchstabe der Ringprägung entspricht, mit Ausnahme der Weißstorch-Spezialringe, der Serienbezeichnung.

Gleichzeitig werden alle notwendigen Informationen wie Ringnummer, Ort und Datum der Beringung, Alter und Geschlecht des Vogels notiert. Diese Angaben werden in speziellen Listen festgehalten und der Vogelwarte zugeschickt.

Die Art und Form der Ringe hat sich immer mal geändert. Sie waren lange Zeit aus einer speziellen Magnesium-Aluminiumlegierung
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und waren zum Anbringen mit einer Lasche versehen, die mit einer Spezialzange angebracht werden ,-
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Prinzesschen trägt seit 1994 einen solchen Ring.

Beringtes Storchenbein:
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Die neueste Version ist ein Kunststoffring, der sog. ELSA - Ring,
Bild
der mit einem Falz zusammengedrückt wird. Von diesem Ring erhofft man sich, dass der Kot nicht haftet und so die Buchstaben und Ziffern sicherer abzulesen sind. Es ist natürlich ganz wichtig, daß alle abgelesenen Daten auch stimmen - sonst ist es ein anderer Storch!! Es gehört viel Erfahrung und Geduld dazu - aber was wüssten wir alles nicht über unseren Storch, deshalb kann man das Engagement der Leute, die dafür ihre Zeit opfern gar nicht hoch genug einschätzen! Die ganze Beringung ist sinnlos, wenn nicht die Rückmeldungen kommen!

Die Beringung von Störchen erfolgt meistens im Horst, im Alter von etwa 3 bis 5 Wochen. Die Jungen machen in diesem Alter die sog. "Akinese", d.h. sie stellen sich tot. Der Beringer kann die Ringe dann problemlos anbringen, allerdings muss das schnell gehen! Sind sie älter stehen sie schon mal auf, versuchen wegzukriechen oder gar abzuspringen, oder sie schnappen zu! Die Jungen werden im Storchenhof am linken Fuß beringt, auch die Pflegestörche im ersten Jahr. Bekommen wir unberingte Altstörche zur Pflege, so wird der Ring rechts angelegt. z.B. Prinzesschen kam als unberingte Altstörchin zu uns und als sie den ersten Sender bekam, wurde sie auch gleich - rechts -beringt.

Sender sind natürlich zur Identifizierung eines Storches ideal:
Von einem beringten Vogel erfährt man bei Rückmeldung meist nur den Beringungsort und den Fund-/ Ableseort. Da der Weißstorch ein auffallender und großer Vogel ist, werden 20 bis 25% der beringten Vögel zurückgemeldet. Ein besenderter Storch, wie z.B. Prinzesschen kann hingegen lebenslang hunderte bis tausende Aufenthaltsorte liefern. Ein deutscher Storch konnte zwischen August und Mai des Folgejahres 1400 mal über Satellit geortet werden.
In Deutschland wurde die Satellitentelemetrie ab 1988/89 seitens der Forschungsstelle für Ornithologie der Max-Planck-Gesellschaft Vogelwarte Radolfzell vorbereitet und in Gemeinschaftsarbeit mit dem Storchenhof Loburg auch angewendet.

Ein Sender auf dem Storch sendet Radiowellen aus, die von Satelliten empfangen und an Bodenstationen weitergeleitet werden. Die Satelliten kreisen in 850 km Höhe in polaren Umlaufbahnen um die Erde und können Signale von sämtlichen Orten auf der Erdoberfläche aufnehmen. Aufgrund des Dopplereffektes kann die Distanz zwischen den einzelnen Satelliten und dem Sender ermittelt und so der Sender lokalisiert werden, bei guten Verhältnissen bis auf 150 m genau. Die Signale werden von den Satelliten erhaltenen Informationen verarbeitet und an die Forschungsstationen weitergegeben.

Die Verfolgung per Satellit gibt genaue Angaben über:

• Abflugdatum der Tiere vom Geburts- oder Brutort sowie Ankunftsdatum an den Rastplätzen und im Winterquartier
• Flugroute, Tagesetappen und Fluggeschwindigkeit
• Rastdauer, Lage der Rastplätze, Überwinterungsplätze
• Verbleib der Jungvögel in den ersten beiden Lebensjahren

Ein Datensatz von der Bodenstation sieht wie folgt aus:
14559 Date: 30.07.03 19:30:38 LC: 1 IC: 50
Lat1: 51.003N Lon1: 4.483 E Lat2: 45.733 N Lon2: 28.114 W
Nb mes: 006 Nb mes >-120 dB: 000 Best level: -126 dB
Pass duration: 379s NOPC: 3
Calcul freq: 401 653408.1 Hz Altitude: 80m 00 06 61 01

und beinhaltet folgende Informationen:
Codenr. d. Senders; Datum u. Uhrzeit (Greenwich Mean Time); ; Empfangsqualität
zwei berechnete Koordinaten
Anzahl empfangener Signale; Anz. Signale >120dB; bester Empfang in dB
Kontaktdauer Sender-Satellit; Anzahl durchlaufener Tests
berechnete Frequenz; Höhe d. Senders in m

Allerdings sind Sender sehr teuer, und auch die Standortbestimmung ist nicht umsonst zu haben. Deshalb ist die Beringung immer noch für die Storchenforschung ein Mittel, um unserem "Kinderbringer" weitere Geheimnisse zu entlocken!

Hier noch etwas zum Schmunzeln:
Bild

Im den nächsten Einträgen wird nun vom Storchenhof als Auffang- und Pflegestation die Rede sein.

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Erika

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 Betreff des Beitrags: Wissenswertes vom Storch 11
BeitragVerfasst: 20.11.2005, 11:42 
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Nicht immer geht alles so gut, wie bei "unserer" Familie Storch.

Viel kann geschehen, bis die Jungstörche ein eigenes Leben führen können. Aus manchem Ei schlüpft nicht einmal das Junge! Die Natur sorgt deshalb dafür, daß genug Nachwuchs gezeugt werden kann - "kalkuliert" die möglichen Verluste ein: Allerdings nur die naturbedingten, von Menschen verursachte kann sie nicht erfassen! Deshalb sollten wir auch alles vermeiden, was natürliche Abläufe stört oder gar zerstört!

Wenn wir Schaden angerichtet haben, muss versucht werden zu retten und aus den Fehlern zu lernen, denn wir haben nur diese eine Natur! Der Storchenhof ist eine Institution, die für Störche, auch für Eulen und andere Greifvögel über das spezielle Wissen verfügt, Hilfe leisten zu können mit dem Ziel, gesund gepflegte Tiere der Natur zurückzugeben.

In der Vogelwelt beginnt alles mit dem Ei. Wie sehen nun Storcheneier aus? Normalerweise bekommt sie niemand zu Gesicht!
Bild
Das Foto zeigt 3 Storcheneier - etwa enteneigroß - und daneben das größere Ei einer Graugans.

"Sind die aber klein", sagen die meisten Besucher, dem großen Storch trauen sie also mehr zu! Tut uns leid, aber der Storch macht sich eben lieber etwas mehr Arbeit! Diese kann er nur im Wechsel mit dem Partner leisten und da kann der 1. Zwischenfall eintreten: Der Partner verunglückt und kommt nicht nach etwa 2 Stunden zur Ablösung. Der brütende Storch hat Geduld und wartet weitere Stunden. Aber irgendwann verlässt er den Horst zur Futtersuche und die Eier liegen ungeschützt im Horst. Sie kühlen aus bzw. werden geraubt.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft "Weißtorchschutz", die für jeden Horst in Deutschland einen Betreuer hat, muss nun tätig werden. Ist der Verlust eines Brutpartners gemeldet, wird, wenn möglich, die Rettung des Geleges organisiert. Dann ist Eile geboten, das Gelege wird zum Storchenhof gebracht. Hier gibt es einen Brutschrank, auch unsere Hühner oder die Graugans haben auch schon Störche ausgebrütet - eine "Naturbrut" hat den Vorteil, das die Tiere ja wissen, wie viel Feuchtigkeit sein muss, wann man sich auch mal vom Gelege erheben darf. Außerdem gibt es da keinen Stromausfall! Das Problem ist nur, dass man nicht genau weiß, wann die Jungen schlüpfen werden. Das Huhn wird sie wärmen wie ihre Küken, wenn es da klappert statt zu piepsen, ist das Huhn zwar etwas verwundert, aber, was ausgebrütet wurde, wird akzeptiert! Dass die Jungen ihr nicht folgen, versteht es zwar gar nicht, ist aber glücklich, wenn es sie wieder wärmen darf! Nach etwa 10 Tagen sind die Kinder allerdings zu groß geworden, sie "passen" nicht mehr unter die Mama!

Brütet eine Gans oder eine Ente, kann man die "Nesthocker" dieser Mama nicht lassen: Sie wärmt sie nicht, sondern will sie ans Wasser führen! Dafür gibt es aber Rotlicht über einem provisorischen Horst, die Wärme ist regulierbar und der Storchenhof muss nun nur noch Futter bereitstellen: Die Jungen fressen allein und nach einer Woche haben sie die empfindlichste Lebensphase hinter sich.

Bild
Das Bild zeigt 2 Küken von Novi und Jonas, 2003, die vor Prinzeßchens Angriffen gerettet und von Graugans Gudrun ausgebrütet wurden. Später, als die Angriffe vorbei waren, wurden sie wieder zu ihren Eltern in den Horst gesetzt und waren später die ersten Patenstörche, die durch eine Initiative des mdr "vermittelt" wurden.

Es ist ein erheblicher Aufwand, der da erforderlich ist. Im Prinzip schlüpft aus jedem Ei ein gesunder junger Storch, der der Natur zurückgegeben wird - und unser Großvogel hat diese Hilfe zur Bestandssicherung wohl nötig!

In jedem Jahr seines Bestehens hat der Storchenhof sich dieser Aufgabe gestellt - das Maximum waren einmal 35(!) Storcheneier, aus denen 27 Junge geschlüpft sind, und alle sind wieder Wildvögel geworden!
Aber nicht nur die Eier werden gerettet, sind bereits Junge geschlüpft, werden auch sie im Storchenhof aufgezogen. Natürlich wird auch versucht, den ausgebliebenen Altvogel zu finden - verletzt oder auch tot.... Wichtig ist, die Ursache einer Verletzung oder des Todes zu finden - da wollen wir vorbeugen und natürlich heilen, wenn erforderlich, auch eine Tierklinik einschalten.

Der nächste Beitrag "beleuchtet" die vielfältigen Verletzungsursachen.

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 Betreff des Beitrags: Wissenswertes vom Storch, Teil 12
BeitragVerfasst: 23.11.2005, 20:16 
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Der letzte Eintrag endete damit, dass man versucht, den ausgebliebenen Altstorch zu finden. Man sucht ihn im Nahrungsumfeld des Storchenpaares - etwa 3 bis 5 km rund um den Horst, und da zunächst unter oder in der Nähe einer elektrischen Leitung. Denn:
Etwa 60% aller Unfälle geschehen im Zusammenhang mit E-Leitungen!

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In Deutschland haben wir es hauptsächlich mit 2 Leitungstypen zu tun: Der "Stützerbauweise" (oberhalb der Traverse geführte Leiterseile, der Storch steht also zwischen den Leiterseilen und ist damit extrem gefährdet)

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Die Störche benutzen die Traverse als Sitzplatz und berühren beim Abflug 2 Leiterseile, lösen damit bei der spannungsführenden Leitung den Stromfluss aus. Sie können mit dem Leben davonkommen: Sie fliegen "schräg" an und ab, "tippen" daher im günstigen Fall nur ganz kurz beide Leiterseile an. Aber dieser Stromschlag reicht aus, um aus der Schrecksituation heraus abzustürzen. Die Folge ist Flügel- und Ständerbruch, was mehr oder weniger stark blutende Verletzungen zur Folge hat.

Der Storch hat sehr viel Glück, wenn er schnell gefunden wird, denn die Vegetation ist oft hoch, Fliegen sind sofort zur Stelle, legen ihre Eier ab, und der Fuchs ist auch auf Beutezug. Gefährdet sind aber die Störche schon, wenn sie unter einer E-Leitung Futter suchen und durch irgendetwas erschreckt werden: Dann fliegen sie in die Leitung - ja, weil man ihnen nicht beibringen kann, dass sie gucken sollten, was da über ihnen ist! Meistens ist das tödlich, denn in den Leitungen wird 15000 bis 20000 Volt Spannung transportiert (Mittelspannungsleitung) und der entstehende Strom (Folge kann ein sichtbarer Lichtbogen sein) ist so hoch, dass der Storch manchmal sogar verkohlt in der Leitung hängen bleibt. Der 2. Leitertyp, wo die Leiterseile unter der Traverse geführt hängen,
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ist für diesen Fall sehr gefährlich, während er die auf der Traverse stehenden Störche nicht unmittelbar gefährdet.

Um sich mal ein Bild vom Durchmesser der Kabel machen zu können:
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Vorbeugen ist besser als heilen! Deshalb war es dem Storchenhof sehr wichtig, Schutzmassnahmen zu treffen, wo es denn geht! Das ist bei der "Stützerbauweise" der Fall, und zwar werden Die Leiterseile im Mastbereich (also auf der Traverse) mit Kunststoffhauben abgedeckt.
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Kunststoff leitet keinen Strom und ist zudem fast unvergänglich! Einen besseren dauerhaften Schutz gibt es z. Z. nicht! Dr. Kaatz sen. ist es zu danken, dass im Naturschutzgesetz nun steht: Die Energieversorgungsunternehmen bringen diese Hauben auf ihre Leitungen, wenn eine Gefährdung besteht.
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Dadurch wird die Unfallgefahr für die Störche durch Stromleitungen erheblich reduziert – das Berühren einer spannungsführenden Leitung durch den Storch, der auf der Traverse steht ist äußerst gering.

Aber auch das Heilen ist Aufgabe des Storchenhofes: Ist ein Flügel oder ein Ständer gebrochen, wird die Tierklinik in Magdeburg eingeschaltet. Es muss dann meistens operiert werden, die Brüche werden "genagelt", wie beim Menschen wird der Knochen mit Metall zusammengehalten.
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Das "prominenteste" Beispiel ist der Brutstorch vom Haupthorst unser "Staksi",
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der nun schon 9 Jahre mit einem Nagel im Ständer lebt
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und in diesem Jahr seine 6. Brut erfolgreich großgezogen hat!!

Insgesamt sind aber etwa 1 Dtzd. Störche mit Ständerbrüchen wieder in der freien Wildbahn. Leider hören wir nicht oft wieder etwas von solchen Pflegetieren, aber das heißt absolut nicht, daß es sie nicht mehr gibt! Flügelbrüche sind viel problematischer, denn der Storch bekommt ein aerodynamisches Problem, wenn der Bruch nicht so gut verheilt, die Art des Bruches ist hier ganz entscheidend.

Nun, wir versuchen es immer wieder zu helfen, und die Erfolge wie bei "Staksi" geben uns Recht!

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BeitragVerfasst: 30.11.2005, 19:45 
Auf den Seiten der Natur- und Umwelthilfe:
http://www.natur-und-umwelthilfe.de
kann man zum Thema „Stromtod“ folgendes lesen:

Die 'NABU-BAG Stromtod' verkennt immer noch die Gefahren durch Kriechstrom

Unseren Storchenexperten Edmund Lenz und Michael Zimmermann ist es zu verdanken, dass die Gefahren für Großvögel durch Kriechstrom an Strommasten erkannt wurden. Bedauerlich ist, dass diese Erkenntnis bis jetzt noch nicht bis zum 'NABU' durchgedrungen ist. Um dies zu ändern schaltet sich die NUH in die Diskussion ein.

Tödliche Gefahr durch Kriechstrom für den Storch

Noch immer kommt es an ungesicherten Strommasten zu tödlichen Unfällen von Störchen durch Kriechstrom. Von zwei traurigen Vorfällen in diesem Jahr berichten die Storchenfachleute Jens Heber und Michael Zimmermann.
Unter Mitarbeit der 'BAG Stromtod' soll ein europaweit gültiger Leitfaden für den Schutz von Großvögeln an Strommasten erstellt werden. Da die Mitarbeiter dieser Arbeitsgemeinschaft bezüglich der Gefahren durch Kriechstrom ahnungslos sind, haben wir uns an der Diskussion beteiligt. Unsere Meinung zur Problematik haben wir in einem Brief zusammengefasst:
Brief

Artikel1

http://www.storchenhof-loburg.info/stromopfer/stromopfer-gutenstetten.htm


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 Betreff des Beitrags: Wissenswertes vom Storch 13
BeitragVerfasst: 04.12.2005, 20:46 
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Im letzten Beitrag war die Rede von der Gefährlichkeit elektrischer Leitungen für die Störche.
Ein weiteres Problem ergibt sich aus dem vielen Müll in der Landschaft.

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Strom ist aber in unserem täglichen Leben eine Notwendigkeit, ohne geht oft nichts mehr. Schon die Kinder können auf Anhieb ein Dtzd. Dinge nennen, bei Stromausfall stehen wir modernen Menschen ziemlich hilflos da! Deshalb wird es wohl vorerst eine Illusion bleiben, Elektroleitungen in die Erde zu verlegen - zu teuer!! Es wäre aber der wirksamste Schutz – nicht nur für Störche -, wenn diese Leitungen aus unserer Landschaft verbannt wären!

Ein anderes Problem ist der Müll in der Landschaft – und der wäre absolut vermeidbar!
Unser Storch ist auf Futtersuche. hat er genug in seinem Schlund aufgenommen, nimmt er im Schnabel noch etwas für die Horstausstattung mit: Und da scheint ihm manches geeignet, was Menschen weggeworfen oder liegengelassen haben, weil sie es nicht mehr benötigen, z.B. Verpackungsmaterial; Ist es aus Papier, verrottet es noch. Aber meistens ist es aus Plastik, was zum einen langlebig ist zum anderen wasserundurchlässig. Im Storchenhorst verbaut, erzeugt es Staunässe, die kleinen, noch unbeweglichen Jungen unterkühlen und sterben. Plastikfäden, überall verwendet weil reißfest, werden den Jungen zum Verhängnis, wenn sie sich darin verheddern.

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Gliedmassen werden eingeschnürt - die Folge sind Verkrüppelungen, es haben sich auch schon Junge stranguliert! Das Schlimme ist, dass solche Vorgänge im Horst meistens zu spät bemerkt werden, da die Jungen lange Zeit ständig hocken. Wenn sie dann nicht richtig stehen können, wird die Feuerwehr alarmiert, um das Junge herunterzuholen. Erst dann wird das ganze Ausmaß der Schädigung klar, traurige Anblicke - besonders deshalb, weil es gar nicht geschehen wäre, wenn der Mensch seiner Entsorgungspflicht nachkommt!

Was haben wir nicht schon alles aus Storchenhorsten herausgeholt: Alte Handschuhe, Strümpfe und Teile von Bekleidung, auch ein Stück Übergardine - völlig zerschlissen zwar, aber da heutzutage alles mit Kunststoffen verwebt ist, verrottet das gute Stück nicht ganz und wird im Horst auch zur Gefahr! Papier wird in jeder Form gern eingetragen: Der "Prinz", der 1. Gatte von Prinzesschen "entsorgte" zu gern die Landschaft davon, und brachte einmal einen Papiersack mit, mit dem er sich ziemlich herumbalgte. Schließlich entglitt ihm sein Baumaterial und landete auf dem Hof - es war einmal Spachtelmasse darin gewesen! Auch das herausgerissene Blatt eines Fahrplanes und jede Menge Zeitungsfetzen warf er uns vor die Füße. Nun, nicht alle Störche sind glücklicherweise solche Müllsammler, und eigentlich ist das auch gar nicht lustig!

Man fragt sich nun, warum erkennt der Storch nicht, dass diese Dinge nicht in seinen Horst gehören? Er muss doch wissen, wie sein Nistmaterial aussieht? Z.B. bunte Fäden, hellblaue Gardine..... na, da wundern wir uns doch! Dazu muss man wissen, das jedes Lebewesen unsere Welt anders wahrnimmt: Es ist wohl erwiesen, dass der Mensch seine Umweit am farbigsten sieht. Der Storch nimmt ein Knäuel Kunststofffäden wahrscheinlich wie trockenes Gras wahr - auch wenn es für uns kunterbunt ist! Außerdem probiert er das, was er nun so findet, einfach aus - sein Geheimnis wofür er das jeweils hält!

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Wir aber sollten mehr nachdenken darüber, was wir anrichten - wenn wir auch "nur" mal etwas wegwerfen!

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BeitragVerfasst: 10.12.2005, 22:50 
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Wie schon gesagt, man sieht erst, wenn es zu spät ist, dass mit dem Jungstorch im Horst etwas nicht stimmt.

Fall 1: NICKO

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Diesmal war der Patient ein Schwarzstorch und erst etwa 3 Wochen alt. Ca. 3 cm war der Ständer verkürzt. Er bekam eine Prothese,
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als er ausgewachsen war und wurde wohl unser berühmtester Bewohner - 9 Jahre lang (!) und ausgesprochener Liebling der Besucher.
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Ich hatte ihn "Nicko" getauft, denn er nickte als Jungstorch immer mit dem Kopf, wobei er die für junge Schwarzstörche typischen "Meckerlaute" von sich gab. Mit der Prothese hatte ich mir besondere Mühe gegeben, sie war mit rotem Kunstleder bezogen und er stapfte damit los, als wäre es ein gesunder Ständer und wir konnten unseren Besuchern den in der Natur schwer zu beobachtenden Schwarzstorch zeigen. Da er fliegen konnte, wurde er im Gehege gehalten, wo er wohl mit Vergnügen herumflog - soweit das ging! "Nicko" hatte sich daran gewöhnt, dass ich ihn immer mal einfing, um die Prothese zu kontrollieren, ein zahmer Storch ist er allerdings nicht geworden! Ich musste mir schon Mühe geben, um seiner habhaft zu werden! So haben wir 9 Jahre miteinander verbracht, bis - ja bis er innerhalb kurzer Zeit nicht mehr so gut laufen konnte. Er saß oft, was er sonst nicht tat..... es war das geschehen, was auch vorauszusehen war: Er konnte mit der Prothese zwar gut laufen, aber nicht stehen. So war der gesunde Ständer die ganzen Jahre allein belastet worden und so überbelastet, was sich irgendwann negativ auswirken musste! Der andere Ständer dagegen bekam zunehmend einen Muskelabbau - und dann ging wohl nichts mehr - . Leiden aber sollte gerade dieser Storch nicht, so musste ich mich von "Nicko" verabschieden: Für immer!

Inzwischen haben wir "Georg", auch einen Schwarzstorch im selben Gehege. Aber viele Besucher haben "Nicko" gekannt und fragen nach ihm, so ist er nicht nur bei mir unvergessen.

Fall 2: Das Junge war am Ständer und gleichzeitig am Horstmaterial mit Plastik-Bindegarn (aus der Landwirtschaft) fest verzurrt. Als der Storch aufzustehen versuchte, verlor er das Gleichgewicht und stürzte vom Horstrand. Kopfüber blieb er hängen - unfähig sich zu bewegen! Aufmerksame Beobachter informierten die Feuerwehr, die auch so schnell es eben ging anrückte, und den Jungstorch zum Storchenhof brachte. Stehen konnte er nicht, offensichtlich schmerzte das auch, immerhin hatte er ca. 3 Stunden am Horst gehangen! Die Tierklinik schätzte ein, dass eine so starke Dehnung der Bänder eingetreten war, der Storch würde niemals wieder stehen können. Außerdem war der Ständer durch die Einschnürung nicht mitgewachsen und deformiert.
Da war nun ein Jungstorch gerettet worden, um festzustellen, dass ihm nicht mehr geholfen werden konnte. Eine bittere Erkenntnis, mit der man leben muss, aber vergessen kann man das nie.

Fall 3: Dem Jungstorch fehlten die Zehen, als er eingeliefert wurde. Er stand auf dem Stumpf und lief auch. Aber es bildet sich keine Verhornung an der Stelle, er läuft auf abgeheilter Haut über dem Knochen und die Stelle scheuert sich immer wieder auf. Es war abzusehen, dass der Knochen sich abarbeitet und der Ständer dann immer kürzer wird. Wenn er so läuft, bekommt er außerdem Schmerzen, da sich das Becken verlagert. So versuchten wir, dem Storch mit einer Prothese zu helfen: d.h. der Ständer wurde in eine Plastikhülse gesteckt, die bis zum Intertarsalgelenk reicht, und unterhalb des Gelenkes befestigt wird. In die Hülse kommt unten ein Wattepfropf, so stark, dass der Storch zwei gleich lange Ständer hat. Mit dieser Methode kann man einem Storch gut helfen, denn er läuft fast normal. Hat er gesunde Flügel, gibt es insofern ein Problem, als er im Gehege gehalten werden muss, denn die Prothese muss unter Kontrolle bleiben. Zwei Weisstörche konnten wir trotzdem vermitteln: Einen nach Leipzig und den anderen nach Bad Liebenstein, wo man sie haben wollte und ihnen ein Zuhause gegeben hat.

_________________
Viele Grüße von
Erika

Die Eule ist Sinnbild der Weisheit, Möge sie mir bei meinen Einträgen zur Seite stehen!


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