Storchenhof Loburg Forum

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BeitragVerfasst: 11.12.2005, 10:52 
Und dann gibt es da doch tatsächlich sog. „Storchenschützer“, die sich erdreisten sich gegen eine so notwendige Horstpflege zu stellen. Da liest man dann etwas von „Horstfummlern“ und „kein Eingriff in die Natur“ und das alles an die Adresse von den „Storchenvätern“, die sich nicht als „Schreibtischtäter“ profilieren, sondern sich, im Gegenteil, nicht scheuen, auch Hand anzulegen und sich eben diese Hände schmutzig zu machen um die Horste von unserem Wohlstandsmüll zu befreien und die Horste so weit als möglich ohne Gefahren bewohnbar zu machen für unsere gefiederten Freunde.


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 Betreff des Beitrags: Wissenswertes vom Storch 14
BeitragVerfasst: 26.12.2005, 10:10 
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Jungenaufzuchtgehört nun seit vielen Jahren zur Aufgabe des Storchenhofes, aber einmal ist es das 1. Mal und dann werden Jahr für Jahr Erfahrungen gesammelt!

Meine 1. Jungenaufzucht war 1986. Ich erinnere mich noch genau an den Anruf von Dr. Kaatz sen. in meinem Betrieb: Er war sehr aufgeregt und sagte: Gestern Abend brachte man uns eine Hühnerglucke, die 4 Störche ausgebrütet hat. Der Storchbetreuer stellte nun zwar Korb mit Glucke zur Verfügung,

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aber alles Weitere sei ja wohl Sache des Storchenhofes? Störche füttern ihren Nachwuchs alle 2 Stunden, wie macht man das, wenn man arbeitet??

Ganz "einfach": Ich nahm vorerst 2 Wochen Urlaub und fuhr jeden Tag nach Loburg, um mich mit der Versorgung der Storchen-Waisenkinder zu beschäftigen. Seit sie nun auf der Welt waren, hielten sie mich tagsüber auf Trab. Ich zog mit dem Spaten los, um nach Regenwürmern zu graben. Die Kleinen hatten einen unwahrscheinlichen Hunger, wie machten es nur die Störche, soviel herbeizuschaffen??

Da mussten wir uns schon etwas einfallen lassen: Unsere Pflegestörche bekamen Fisch und Eintagsküken - zu große Happen für die Jungstörche! So wurde das entsprechend zerkleinert und Regenwürmer dazugemischt. Das Ganze kam auf ein Brett und die kleinen Störche herumgesetzt.

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Es gab jedes Mal eine "Diskussion" mit der Glucke, die uns ihre Kinder nicht überlassen wollte. Sie bekam Körner und Wasser, und verstand nicht, dass die Storchenjungen ihr nicht folgen wollten. Die aber langten bei ihrem Futter tüchtig zu - das Huhn war irritiert, und beruhigte sich erst, wenn die Kinder satt und zufrieden im Korb saßen. Dann machten unsere Nesthocker ihrer Mutter keine Sorgen, sie ließen sich von ihr wärmen und nur ab und zu klapperte es unter dem Gefieder der Henne, aber das nahm sie gelassen - die ungewöhnlichen Kinder waren akzeptiert! Der Kleinste der Störche aber machte mir Sorgen: Statt den Rückstand zu den Geschwistern aufzuholen, blieb er zurück. So half nur sanfte Gewalt: Ihm das Futter zu stopfen! "Friedolin", wie ich ihn getauft hatte, dankte es mir dann insofern, dass er so nach und nach doch kräftiger wurde.

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Am 12. 5. 1986 war er als Letzter geschlüpft, vielleicht wäre er im Horst ohne diese "Sonderbehandlung" nicht groß geworden, aber wir hatten wohl beide den Ehrgeiz, nicht aufzugeben!

Auf dem Haupthorst hatte sich inzwischen ein Drama abgespielt: Nach tagelangem Regen waren alle 3 Jungen des Storchenpaares verendet. Damals gab es die Video-Anlage noch nicht, wir merkten aber, dass die Störche nicht mehr fütterten. Michael erstieg den Horst und holte die toten Jungen herunter. Die Altstörche standen nun ohne "Beschäftigung" herum - um den Fütterungstrieb aufrechtzuerhalten, musste gehandelt werden: So wurde "mein " kleiner Friedolin eingesetzt, und jetzt wurde es spannend: Wird er angenommen? Oder muss man ihn schnellstens herunterholen? Zu unserer Freude fütterten die Altstörche - schließlich waren sie darauf eingestellt - wir waren um eine Erfahrung reicher. Allerdings darf man nur kurze Zeit warten, Störche merken dann: Es geht auch ohne Kinder!! Friedolin wurde am nächsten Tag wieder heruntergeholt, und die 3 "Grossen" eingesetzt.

Die Glucke hatte nun nur noch Friedolin.

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Obwohl er schon so groß war, dass sie Mühe hatte, ihn unter die Fittiche zu bekommen, wollte sie ihn nicht aus ihrer Obhut zu entlassen. Selbst als er schon neben ihr stand, achtete sie streng darauf, dass er zur Nacht in den Korb kam! Wir hatten den Storchbetreuer informiert, er könne das Huhn wieder abholen, aber es war Oktober geworden, und "Mutter und Sohn" immer noch beieinander. Friedolins Geschwister waren fort, auch ihre Eltern und die Störche überall. Friedolin war frei, aber er zog nicht. Ich beobachtete ihn und die Glucke eines abends, als sie wieder gemeinsam im Korb waren: Sie saß und Friedolin schaute auf sie herab. Verschlafen "gackte" das Huhn, und mein Friedolin gab ähnliche Laute von sich, die Bettellaute der Störche klingen ja ähnlich - aber das war dann doch zuviel!!! Das gute Huhn wurde abgeholt, und Friedolin blieb zwar über den Winter im Storchenhof, war aber im Frühjahr ein ganz normaler Storch und frei!!

Er ist fortgezogen irgendwann, die Ringnr. A 6597, im nächsten Jahr wäre er 20, ob er wohl noch lebt? Inzwischen habe ich nicht mehr gezählt, wie viele Junge ich mit aufgezogen habe. Aber immer war es ein Erlebnis, eine Freude ihr Wachsen und Gedeihen zu erleben und ihnen die Freiheit zu schenken!

Am 12. 12. ist es 25 Jahre her, dass ich an den Storchenhof geschrieben habe - ich möchte ihn mir mal ansehen, ja und ich bin geblieben. Es ist mein kleines Paradies geworden, das hoffentlich weiter besteht. Ich wünsche, dass es mich überlebt, sich immer wieder jemand findet, der alles weiterführt, für die Störche, die das brauchen!!!

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 Betreff des Beitrags: Wissenswertes vom Storch 15
BeitragVerfasst: 30.12.2005, 20:27 
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Storchenhorst in Dannigkow - Eierrettung

Es war der 27. April 1983. Auf dem Storchenhof wurde allerlei Gerät für eine ungewöhnliche Aktion in dem grünen "Wartburg-Tourist" verstaut, und zuletzt stiegen wir dann ein. "Wir" das waren Storchenvater Dr. Kaatz, Thomas Bich aus der Fachgruppe, Michael Kaatz, aus Magdeburg angereist Gunter (der Sohn eines Kollegen) und ich. Es war ein richtiger Apriltag: Noch etwas kühl und unbeständig, aber trotzdem war es offensichtlich, der Frühling war im Anmarsch - und das sicherste Zeichen: Die Störche waren da!!

Ihretwegen waren wir auch heute unterwegs. Unser Ziel war ein alter Bauernhof in Dannigkow. Umgeben von Wasser, Wiesen, Feldern und kleinen Waldstücken bietet diese abwechslungsreiche Landschaft den Störchen noch genügend Nahrung. Seit 1865 zog deshalb wohl ein Storchenpaar auf dem Hof von Herrn Mahlmann seine Jungen groß: Auf der Giebelseite der schon etwas baufälligen Scheune thronte ein riesiger Horst. Wir wurden schon erwartet. "Sie ist oben", sagte Herr Mahlmann, der unseren Blicken gefolgt war. Wir sahen zwar nichts, aber er kannte seine Störche und wusste, dass die Störchin nur kurzzeitig den Horst verließ und dort oben wieder brütend saß. Er kannte die Gewohnheiten genau, ihnen galten morgens sein erster und abends sein letzter Gedanke. So hatte er auch sofort bemerkt, dass vor nunmehr 3 Tagen der Storch nicht mehr zur Brutablösung kam. Er wurde überall gesucht, und man fand ihn dann schließlich am Transformatorenhaus. Dort war er offensichtlich verunglückt, getötet durch Stromschlag! Herr Mahlmann trug den toten Storch nach Hause und war zunächst ratlos, was er tun sollte. Dann rief er im Storchenhof an, und nun waren wir da!

Die Störchin würde ihre Eier weiter bebrüten, obwohl keine Jungen schlüpfen konnten: Zu lange die Zeit, wo sie auf Futtersuche sein musste, und außerdem konnten derweil die Eier geraubt werden. So galt es, die Eier aus dem Horst zu bergen und zum Storchenhof zu bringen, wo bereits der Brutschrank vorbereitet war. Zunächst aber musste Thomas auf das Dach, was ziemlich gefährlich aussah, als er auf 2 zusammengebundenen Leitern zum Horst hinaufstieg. Ein junger Mann aus Dannigkow folgte mit der Kiste, in die die Eier gelegt werden sollten. Als ein paar Dachziegeln scheppernd nach unten fielen, strich die Störchin lautlos ab. Wie viele Eier würden es wohl sein?? und dann die mit Spannung erwartete Nachricht: Es sind 5!! Herr Mahlmann sah seiner Störchin traurig nach, was wäre das für ein lustiges Geklapper auf dem Hof geworden! Aber Dr. Kaatz tröstete ihn: Wenn die Störchin keine Eier mehr im Horst hat, wird sie sich um einen neuen Partner kümmern, es ist erst Ende April, da kann es noch zu einer neuen Brut kommen! Wir aber mussten uns beeilen, die Eier sollten schnell in den Brutschrank. Da haben wir zwar unser Möglichstes getan, aber junge Störche schlüpften nicht, die Eier waren nicht schnell genug geborgen worden. Herrn Mahlmann aber wurde ein großes Glück zuteil: Die Störchin fand einen neuen Partner und beide zogen 3 Junge auf - doch noch ein "Happy End"?

Mir war auch traurig zumute: Ich hatte den toten Storch mit nach Magdeburg genommen, um ihn präparieren zu lassen. Er ist heute noch auf dem Storchenhof - Erinnerung an ein schlimmes Schicksal - aber auch daran, wie froh es macht, wenn man helfen kann.

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 Betreff des Beitrags: Wissenswertes vom Storch Teil 16
BeitragVerfasst: 02.01.2006, 20:55 
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"Pummelchen"

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Eine Jungenaufzucht wie sie nicht sein sollte:

Pummelchen schlüpfte aus dem Ei in einem Storchenhorst, der auf dem Scheunendach eines Bauernhofes in einem Mecklenburgischen Dorf thronte. In dieser Gegend gibt es viele Störche, und wo sie sich niederlassen, sind sie gern gesehen. Auf vielen Höfen wird der Storch als "Glücksbringer" verehrt, und wer ihn auf seinem Dach hat, ist hocherfreut, wenn dann auch Nachwuchs kommt. Gespannt wird gezählt wie viele es denn sind, und ihr Wachsen und Gedeihen beobachtet:

Die besten Voraussetzungen für Pummelchen. Aber eines Tages, als die Jungen etwa 10 Tage alt waren, fehlte einer! Aus dem Horst gefallen? Und tatsächlich lag der Kleine am Boden - aber anscheinend hatte er den Sturz unbeschadet überlebt! Nun wurde beschlossen, ihm unten ein Nest zu bauen, und ihn dort selbst großzuziehen. Was Störche ihren Jungen bringen, das wusste man genau - Pummelchen bekam das, was es oben gab, nun in sein Nest unten hineingelegt. Das ganze Dorf beteiligte sich an der Futterbeschaffung, und das Pflegekind gedieh prächtig!

Natürlich wurde der junge Storch nicht nur mit Futter versorgt, "Streicheleinheiten" bekam er auch von seinen neuen Eltern! Er war ja so niedlich und wurde nach Kräften verwöhnt! Als seine Geschwister oben Flugübungen machten, war auch für Pummelchen die Zeit gekommen, und er verließ dann natürlich auch sein Nest: Allerdings stolzierte er meistens auf dem Hof herum, um nicht zu verpassen, wenn wieder jemand etwas Leckeres zu Fressen gebracht hatte. Aber Fliegen ist angeboren, und Pummelchen erkundete bald auch seine Umgebung. Hier und da wurde er dabei im Dorf gesehen und begegnete wohl denen, die ihn mit Futter versorgten.

Es war später nicht mehr auszumachen, wann die Prägung des Storches auf den Menschen endgültig war: Die Bewohner wurden erst stutzig, als alle Störche längst fortgezogen waren, Pummelchen aber immer wieder auf dem Hof oder im Dorf auftauchte. Wollte er etwa den Winter hier verbringen?? Das war natürlich nicht gewollt, und wie sollte man dann Futter beschaffen? Nun war guter Rat teuer, aber dann wandte man sich doch an die richtige Stelle und am Storchentag im Oktober des Jahres landete Pummelchen in einem großen Karton verpackt auf dem Storchenhof.

Allerdings hieß der Storch bis dahin noch gar nicht "Pummelchen"! Ich habe ihn an diesem Tag - unfreiwillig - getauft: Ich sollte ihn auspacken, und als er dem Karton entstieg und in voller Größe zu sehen war, sagte ich ganz spontan: „Das ist aber ein Pummelchen!“ Der Überbringer lachte und meinte: Den hat ja auch ein ganzes Dorf großgezogen!!

Was wir mit Pummelchen erlebt haben und wie tragisch dies dann geendet hat, folgt im nächsten Bericht.

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 Betreff des Beitrags: Wissenswertes vom Storch Teil 16/2
BeitragVerfasst: 05.01.2006, 16:03 
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Pummelchen Teil 2

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Pummelchen war sehr auf Menschen geprägt, das wurde uns in den nächsten Tagen bereits klar: Der Storch hatte überhaupt keine Fluchtdistanz und ließ sich sogar anfassen, wenn er sein Futter bekam. Da die Zugzeit auch vorüber war, und er nicht in der nun unbekannten Umgebung herumfliegen sollte, kam er ins Gehege, wo er ausschließlich Storchgesellschaft hatte. Davon war Pummelchen jedoch nicht begeistert: Er jagte seine Artgenossen herum, und wenn der Futtereimer kam, gehörte der erst einmal ihm allein! Die anderen Störche ließen sich das aber nicht gefallen, es gab den berühmten "Zoff". Ernsthaft waren diese Auseinandersetzungen nicht, und Pummelchen merkte dann bald, dass nun Schluss war mit den Extrawürsten!

So verging die Winterzeit, und als der Frühling Einzug gehalten hatte, wurde ausgewildert und auch Pummelchen war frei! Der Storch hatte nun Gelegenheit, sich vom Menschen abzusetzen. Das gestaltete sich jedoch schwierig - Pummelchen flog zwar viel herum, aber am liebsten und viel zu oft war er im Auslauf zu sehen, wo sich unsere nicht flugfähigen Störche aufhielten. Bald war auch klar warum: Hier gab es eine bereits 12 Jahre alte Störchin, "Adeline" und sie und Pummelchen hatten sich wohl miteinander angefreundet - oder war es mehr?? Jedes Mal wenn er im Auslauf landete, wurde er von Adeline mit freudigem Geklapper begrüßt, sie war überhaupt ständig an seiner Seite! Na, unser Youngster war doch erst 1 Jahr alt, Störche kümmern sich eigentlich erst nach 3 Jahren ums andere Geschlecht! Das war aber nicht das einzige, was uns auffiel: Pummelchen war außerordentlich neugierig und ihn interessierte alles, was Störche sonst kalt lässt: Hing Wäsche auf der Leine, zupfte er daran, und war jemand im Garten, war er auch da und stolzierte zwischen Salat und Radieschen herum. So besuchte er auch manche Loburger, wenn sie im Garten saßen, was dem einen Spaß machte, anderen wohl weniger. Als unser "aufdringlicher" Storch einmal auf einer Fernsehantenne Rast machte, hatte er sie angeblich verbogen, und das gab Ärger! Ich beobachtete einmal Pummelchen - es war ein heißer Sommertag - wie er auf einem benachbarten Laubendach etwas merkwürdig herumlief: Es war ein Teer- Pappdach und Pummelchen hatte Schwierigkeiten, die Füße loszukriegen! Da er es allein wohl nicht schaffte, nahm ich mir eine Leiter, und hob Pummelchen dort herunter. Die Füße waren voller Teer, mit viel Fett habe ich sie dann von der klebrigen Masse befreit!

Es war wieder Storchentag und Pummelchen nicht fortgezogen. Mit Adeline wurde das langsam ein festes "Verhältnis". Beide standen abends auf einem Horst im Gehege und ließen keinen anderen Storch dort hinauf. Es wurde wieder Frühling, und Pummelchen zeigte keine Lust, sich länger als ein paar Stunden vom Storchenhof zu entfernen. Und dann eines Tages die große Überraschung: Adeline hatte ein Ei gelegt!! Eins kam noch dazu und dann wurde gebrütet! Sie erwartete nun wohl mit Recht, dass Pummelchen seinen Pflichten nachkommen würde - aber damit war unser "Kleiner" doch etwas überfordert: Was er als Brüten ansah, war recht unregelmäßig, und eines Tages waren die Eier kaputt! Unklar, was passiert war, aber es wäre sicher auch keine Brut geworden.

Pummelchen machte weiter "Dummheiten", und wieder wurde es Zugzeit. Wir hatten eigentlich die Hoffnung aufgegeben, aber dann war Pummelchen fort - doch noch die Kurve gekriegt?? Nach 2 Wochen Abwesenheit erreichte den Storchenhof die Nachricht: Pummelchen in einem Vorort von Chemnitz aufgegriffen! Den Bewohnern war der zutrauliche Storch aufgefallen, er hatte sogar Bockwurst gefressen - aber glücklicherweise bekam einer unserer Storchbetreuer Kunde von dieser Sache, und Herr Bauer aus Frankenhain brachte Pummelchen persönlich zurück!

Den nächsten Winter verbrachte Pummelchen wieder im Storchenhof - Adeline war ihm zugetan wie eh und je - und im Frühjahr war er wieder frei. Pummelchen war nun 3 Jahre alt. Es würde sich an seinem Verhalten sicher nichts mehr ändern, aber mir war dieser Storch besonders lieb geworden. Er führte ein freies Leben, anfassen ließ er sich nicht mehr, aber er war doch nicht so scheu wie die anderen, und ein sehr schöner, stattlicher Storch!

Niemand ahnte, dass es sein letztes Jahr sein würde: Eines Tages fiel mir auf, dass Pummelchen den Futtereimer nicht mehr fand und sich auch manchmal im Gebüsch verhedderte. Augenscheinlich konnte er schlecht oder gar nicht sehen?? Ich fuhr mit ihm zur Tierklinik, und dort erhielt ich Gewissheit: Pummelchen war blind. Die nächste Zeit war schlimm, denn Pummelchen fand sich nicht mehr zurecht - was sollten wir tun? Der Storch war in ständiger Gefahr, sich ernsthaft zu verletzen! Dr. Kaatz wollte mit mir sprechen - ich wusste, was das bedeutete......

Pummelchen wurde eingeschläfert, es musste sein! Man darf nicht an sich denken.

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Nun ist Pummelchen bei mir - als Präparat. Ich könnte ihn und die Zeit mit ihm aber auch sonst nie vergessen.

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Eine traurige Geschichte, die wir so nicht hätten erleben müssen, wenn dieser Storch bei seinen Eltern groß geworden wäre.

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 Betreff des Beitrags: Wissenswertes vom Storch Teil 17
BeitragVerfasst: 24.01.2006, 12:15 
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Jungenaufzucht durch Menschen

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Aus geretteten Storcheneiern die Jungstörche auszubrüten, ist möglich, wenn die Eier ohne Unterbrechung warm gehalten, und durch einen Brutapparat oder einen Vogel (Henne, Gans, Ente z.B.) zu Ende bebrütet werden.

Die Aufzucht durch Menschen ist verhältnismäßig unkompliziert, da die Jungen allein fressen. Der Altstorch würgt die Nahrung vor den Jungen auf den Horstboden aus, und der Nachwuchs muss sich selbst bemühen, genug in den eigenen Schnabel zu bekommen. Haben die Jungen die 1. Woche überstanden, ist die größte Hürde geschafft, denn in dieser Zeit kann ihnen kaltes und regnerisches Wetter sehr gefährlich werden.

Zieht der Mensch die Jungen auf, kann man sie davor beschützen. Sie sitzen sicher in einem Korb

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und das Futter wird auf einem Brett vor dem Schnabel "serviert".
Jetzt ist es aber ganz wichtig, dass nicht der Mensch in Verdacht kommt, der Futterbringer zu sein: Die Jungen sollen sehen, die Nahrung für sie kommt aus dem (roten) Schnabel des Altvogels, ein Elternteil ist auch als ständiger Bewacher am Korb. Dazu haben wir Plastikstörche in Originalgröße (oder Präparate),

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die sind abwaschbar - das muss sein, da auch mal ein Kotstrahl der Jungen unsere "Helfer" trifft! Wir können sehr wohl feststellen, ob die Sache richtig läuft: Der Jungstorch klappert bettelnd nicht uns, sondern den Plastikstorch an! So wissen die Jungen, wie ihre Eltern aussehen, denn mitunter bekommen sie im Alter von 2 bis 5 Wochen neue Eltern, d.h. sie werden von Altstörchen mit wenigen, aber im Alter passenden Jungen "adoptiert". Ältere Junge einzusetzen birgt das Risiko, dass sie schon stehen und Flugübungen machen.

Die Jungen aufziehen macht sehr große Freude: Sie sind wie alle Tierkinder so niedlich und lieb - zum "knuddeln"? Nein!!! dass ist streng verboten, das Futterbrett wird serviert und dann aus Entfernung zugeschaut - ob es denn reicht! Die Jungen schlingen(!) erst einmal nur alles hinein, schlucken kann man später! Im Storchenhorst mit Geschwistern ist dieses Verhalten lebenswichtig, auch soviel wie geht hinein, auch wenn noch etwas heraushängt! Ist man dann wirklich satt, wird sich artig bedankt - durch Klappern natürlich!! Bleibt etwas übrig, so wird das Brett entfernt - "der Altstorch frisst das dann": Wir heben es zur nächsten Mahlzeit auf! Nun herrscht Ruhe im Korb - Siesta, bis die Kinder wieder Hunger haben, und das ist nach etwa 2 Stunden. Wir haben keine Pause, denn Fisch und Fleisch müssen schnabelgerecht für die nächste Mahlzeit zubereitet werden. Wir haben stets ein Auge auf die Jungen, an heißen Tagen gibt es auch mal Wasser aus der Spritzflasche!

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So beschäftigen uns die Jungen von morgens 5 Uhr bis abends 10 Uhr - WIR sind Storch!!!

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Der schönste Lohn für alles ist, wenn sie eines Tages fliegen, ein Leben in Freiheit führen, für das wir sie nach bestem Wissen und Gewissen vorbereitet haben!

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 Betreff des Beitrags:
BeitragVerfasst: 24.01.2006, 14:27 
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Liebe Frau Herbst, ich möchte mich mal herzlich bedanken üder ihre Berichte hier. Es macht viel Freude über den Alltag mit den Störchen zu lesen, manchmal aber auch traurig und nachdenklich. Jedenfalls kann ich´s kaum erwarten, bis der nächste Bericht kommt, man lernt soviel daraus über diese schönen Vögel.

lb. Grüße
Ute

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die Hoffnung stirbt zuletzt


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 Betreff des Beitrags: Re: CICONIA-CICONIA
BeitragVerfasst: 14.12.2011, 14:22 
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Wohnort: Hameln
Ich habe mal in diesem alten Thread herumgelesen - es ist zwar eine traurige Geschichte, aber auch sehr süß, wie Pummelchen da jetzt immer noch steht, wenn auch "präpariert". Das finde ich schön.
Regina

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W:O:A 2016 8++)


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